Wenn ihr in den letzten Tagen mal Zeitung gelesen oder die Tagesschau gesehen habt, so werdet ihr vielleicht etwas von Merkels Lateinamerikareise und vor allem dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima gehört haben.
Zwar hatten wir hier schon einiges von dem Gipfel gehört, konkrete Auswirkungen hatte er aber erst kurz vor den letzten Ferien - eigentlich…
Es war ein schöner Montag, der letzte Montag vor den Herbstferien (ihr wisst ja, Herbst ist hier während in Deutschland Frühjahr ist). Im gemeinsamen Wochenbeginn aller Klassen wurden alle Schüler nochmal dazu aufgerufen, auch in der letzten Woche nochmal ein bisschen zu zeigen, was in ihnen steckt. Die Schüler scherten sich nicht besonders um solche Appelle, die kannten sie schon zu Genüge, sie freuten sich, wer sollte es ihnen verübeln, auf die Ferien.
Doch es gab keine Ferien.
In einer, zumindest nach deutschen Maßstäben unglaublich spontanen Aktion, hatte das peruanische Bildungsministerium die Ferien einfach um zwei Wochen verlegt. Der Grund: Da der Gipfel der Staats- und Regierungschefs im “Museo de la Nación” am Javier Prado stattfindet, musste aus Sicherheitsgründen selbiger für einige Tage gesperrt werden, der Javier Prado ist zufällig eine der Hauptverkehrsachsen Limas. Und als ob das nicht lang genug bekannt gewesen wäre, kommt irgendwann das Bildungsministerium auf die Idee, dass man doch mit verschobenen Schulferien das Limeñer Verkehrsaufkommen in der Zeit des Gipfels ein wenig reduzieren könnte.
In Peru ist es nicht ganz so üblich, in den Ferien zu verreisen, wie in Deutschland. Aber trotzdem fand die Entscheidung des Ministerio de Educación nur wenig Beifall…
Mich persönlich belastete die Aktion nicht besonders, ich hatte noch keine Ferienpläne geschmiedet. Ich fand die Sache sogar irgendwie toll… Vielleicht könnte ich ja…? Einen Versuch war es wert. Ich setzte mich an meinen Rechner und fragte bei der deutschen Botschaft in Peru, an, ob es nicht vielleicht eine Möglichkeit gäbe, mir eine Presseakkreditierung zu besorgen, damit ich vielleicht bei den Pressekonferenzen dabeisein könnte? Oder wäre es vielleicht möglich, ausnahmsweise mal ein einwöchiges Praktikum in der deutschen Botschaft zu absolvieren?
Die Tage vergingen und irgendwie waren die Trantüten in der Botschaft nicht dazu in der Lage, mir und meinem Ansinnen eine höfliche Absage zu erteilen, irgendwie schwach…
Aber ich hatte schon einen neuen Plan… Gaaanz zufällig kenne ich den Kaffeelieferanten des Gipfels (er wohnt hier nebenan) also fragte ich ihn, ob er nicht vielleicht einen Assistenten beim Kaffeeausschenken gebrauchen könnte. Er war einverstanden und meldete mich bei den Gipfelorganisatoren an.
Merkel einen Kaffee auszuschenken… Das wäre vielleicht was gewesen… Aber die Sicherheit der Gipfelteilnehmer ließ ein weiteres Träumen nicht zu. Gnadenlos wurden alle nicht unbedingt nötigen Arbeitnehmer aus den Listen gestrichen und dem fiel auch ich zum Opfer…
Die einzige Gipfelluft, die ich schnuppern durfte war also gesiebt durch die Metallabsperrzäune, die mehr als eine Woche den Gipfel in einem Radius von einem halben Kilometer absperrten. Ich kam nicht mal so nah ran, dass ich die Scharfschützen auf den Dächern gesehen hätte. Der ganze Verkehr in der näheren Umgebung kam zum Erliegen, einzig Polizeifans kamen auf ihre Kosten, sie durften sich an Massen von Verkehrs- und Nationalpolizisten sowie Beamten der Sicherheitsdienste der einzelnen Viertel erfreuen.
Allen, die vorhaben, einen internationalen Gipfel zu organisieren, möchte ich hiermit zurufen:
- Ich will auch dabei sein
- Verdammt, macht den Scheiß nicht mitten in der Stadt, sondern irgendwo auf dem Land, wo’s niemanden stört.
Ein Trost bleibt mir: So hab’ ich auf jeden Fall keine Woche in einem potthässlichen Gebäude zugebracht… Ich hatte in meinem ersten Halbjahr bestimmt 50 Orchesterproben in den Katakomben des Museums und ich kann nur sagen: Das Teil hat höchstens den Charme eines Atombunkers…

Selbst beim tollsten Licht ist das Ding einfach nur “wäh”

Innen drin ist’s aber noch viel schlimmer…
Start Slide Show with PicLens Lite